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Ankommen im eigenen Körper 

Was ist Interozeption – und warum ist sie wichtig?

Interozeption beschreibt die Fähigkeit, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen und einzuordnen. Dazu gehören zum Beispiel: Hunger und Sättigung, Müdigkeit und Erschöpfung, der Herzschlag und die Atmung. Bin ich innerlich unruhig oder entspannt? Wie zeigen mir das meine Muskeln? Schmerzen, Unwohlsein, Wärme und Kälte sind Signale des Körpers, aber auch auf Emotionen reagiert er. Da haben wir plötzlich einen Kloß im Hals, uns wird mulmig und eng um die Brust oder im Bauch brodelt es. Natürlich reagiert er auch bei angenehmeren Gefühlen wie die Schmetterlinge im Bauch oder eine warme Weite im Herzraum.

Interozeption ist gewissermaßen unsere „innere Wahrnehmung“. Sie verbindet Körper, Gefühle und Nervensystem miteinander.

 

Warum ist Interozeption so bedeutsam? 

Unsere Körperempfindungen liefern ständig Informationen darüber:

  • wie es uns geht, 
  • was wir brauchen, 
  • wo Grenzen erreicht sind, 
  • ob wir uns sicher oder gestresst fühlen,
  • und welche Gefühle gerade in uns aktiv sind.  

Eine gut entwickelte Interozeption unterstützt daher die Fähigkeit, uns selber zu regulieren. Das bedeutet, uns selber quasi zu begleiten und z.B. nach Stress und Unruhe wieder zu beruhigen. Wir können unsere Bedürfnisse leichter wahrnehmen, dadurch einfach besser für uns sorgen und entwickeln ein Gefühl, mit uns selbst tiefer verbunden zu sein. 

Interozeption hilft uns also dabei:

  • rechtzeitig Pausen zu bemerken, 
  • Grenzen wahrzunehmen, 
  • Emotionen früher zu erkennen, 
  • Anspannung herunterzuregulieren, 
  • Hunger, Überforderung oder Erschöpfung ernst zu nehmen, 
  • und ein Gefühl von innerer Orientierung zu entwickeln. 

 

Interozeption und das Nervensystem

Interozeption ist eng mit dem autonomen Nervensystem verbunden. Unser Körper registriert ständig, ob wir in Sicherheit oder Gefahr sind, ob eine Aktivierung (im Sympathikus) stattfindet oder wir erschöpft sind.

Viele von uns haben leider Schutzstrategien entwickeln müssen, in denen sie ihre Körpersignale übergehen und sich einfach nicht mehr richtig spüren. Gründe sind chronischer Stress, Trauma und Verunsicherung (vor allem auch frühes Kindheits- und Bindungstrauma), Anpassungsdruck und Leistungsorientierung.

Wenn der Kontakt zum eigenen Körper eingeschränkt ist, werden Bedürfnisse zu spät bemerkt, Gefühle wirken seltsam diffus, eigene Grenzen werden übergangen oder der Körper fühlt sich eher „gegen einen“ als unterstützend an.

 

Interozeption ist wieder erlernbar

Die gute Nachricht ist, dass sich die Fähigkeit zur Körperwahrnehmung wieder entwickeln und verändern kann.

Dabei geht es nicht darum, den Körper ständig zu beobachten oder besonders achtsam zu sein. Es reicht oft, mit kleinen Momenten zu beginnen: kurz bemerken, wie die Füße den Boden berühren. Wahrnehmen, ob der Atem eher flach oder freier ist. Spüren, ob der Körper gerade Nähe, Abstand, Ruhe oder Bewegung braucht.

Mit der Zeit kann daraus mehr Vertrauen entstehen. Ein freundlicherer Kontakt zum eigenen Erleben, ein inneres Wissen: Ich kann wahrnehmen, was in mir geschieht, ohne sofort etwas verändern zu müssen.

Besonders körperorientierte und nervensysteminformierte Ansätze unterstützen dabei, den Kontakt zum eigenen Körper wieder behutsam aufzubauen.

 

Interozeption in meiner therapeutischen Arbeit

In der ganzheitlichen Psychotherapie (einer Mischung meiner erlernten Methoden aus Traumatherapie, Somatic Experiencing®, Gestalttherapie und polyvagal-informierter Arbeit) spielt die Wahrnehmung der eigenen Körpersignale eine wichtige Rolle.

Mir ist dabei wichtig, dass Körperwahrnehmung nicht zu einer weiteren Aufgabe, dem nächsten "To do" wird. Viele Klientinnen kommen ohnehin mit dem Gefühl, nicht genug zu spüren, zu viel zu spüren oder sich selbst darin nicht richtig zu verstehen.

In der therapeutischen Arbeit darf dieser Kontakt zu sich selbst langsam wieder in einem sicheren und behutsamen Rahmen entstehen. Udn zwar ohne Druck und mit dem Respekt vor dem, was bisher geholfen hat, uns durch das Leben zu tragen. Ich möchte einen Raum anbieten, neue Erfahrungen mit dem eigenen Körper zu machen und dadurch ein tieferes Gefühl von Verbundenheit mit sich selbst einzuladen.

 

Fragebogen zur Interozeption

Der MAIA-Fragebogen (Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness) ist ein wissenschaftlich entwickelter Fragebogen zur Selbstreflexion über Körperwahrnehmung und Interozeption. Er wurde von Wolf E. Mehling und Kollegen entwickelt und erfasst verschiedene Aspekte der interozeptiven Wahrnehmung – also der Fähigkeit, innere Körperzustände wahrzunehmen und einzuordnen.

Der Fragebogen ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik, kann aber interessante Hinweise darauf geben,

  • wie gut Körperempfindungen wahrgenommen werden,
  • wie leicht Zugang zu inneren Zuständen möglich ist,
  • und wie sicher oder unterstützend der eigene Körper erlebt wird.

Hier finden Sie eine frei zugängliche Online-Version des MAIA-2-Fragebogens auf englisch.

https://just-digital.github.io/maia-2/   (Link führt zu einer externen Webseite)

 

Quellen:
Mehling WE et al. (2012). The Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness (MAIA). PLoS ONE.
Mehling WE et al. (2018). The Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness, Version 2 (MAIA-2).PLoS ONE.
Offizielle Projektseite der University of California San Francisco (UCSF): MAIA Project Page

 Bildquelle: lizensfrei von pixabay; Fotograf*In: Coboconghuu

 

 

bild von einem bergsee an dem nora sonnenberg sitzt.

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