Eingabehilfen öffnen

2026 ankommen koerper

Ankommen im eigenen Körper 

Was ist Interozeption – und warum ist sie wichtig?

Interozeption beschreibt die Fähigkeit, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen und einzuordnen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Hunger und Sättigung 
  • Müdigkeit und Erschöpfung 
  • Herzschlag und Atmung 
  • innere Unruhe oder Entspannung 
  • Muskelanspannung 
  • Schmerz 
  • Wärme, Kälte oder Kribbeln 
  • emotionale Reaktionen im Körper 

Interozeption ist gewissermaßen die „innere Wahrnehmung“ des Menschen. Sie verbindet Körper, Gefühle und Nervensystem miteinander.

 

Warum ist Interozeption so bedeutsam? 

Unsere Körperempfindungen liefern ständig Informationen darüber:

  • wie es uns geht, 
  • was wir brauchen, 
  • wo Grenzen erreicht sind, 
  • ob wir uns sicher oder gestresst fühlen,
  • und welche Gefühle gerade in uns aktiv sind.  

Eine gut entwickelte Interozeption unterstützt:

  • Selbstregulation 
  • emotionale Stabilität 
  • Bedürfniswahrnehmung 
  • Stressregulation 
  • Selbstfürsorge 
  • Entscheidungsfähigkeit 
  • das Gefühl, mit sich selbst verbunden zu sein 

Sie hilft uns zum Beispiel dabei:

  • rechtzeitig Pausen zu bemerken, 
  • Grenzen wahrzunehmen, 
  • Emotionen früher zu erkennen, 
  • Anspannung herunterzuregulieren, 
  • Hunger, Überforderung oder Erschöpfung ernst zu nehmen, 
  • und ein Gefühl von innerer Orientierung zu entwickeln. 

 

Interozeption und das Nervensystem

Interozeption ist eng mit dem autonomen Nervensystem verbunden. Unser Körper registriert ständig:

  • Sicherheit oder Gefahr, 
  • Aktivierung oder Erschöpfung, 
  • Verbundenheit oder Rückzug. 

Viele Menschen haben jedoch gelernt, Körpersignale zu übergehen oder ihnen nicht zu vertrauen – etwa durch:

  • chronischen Stress, 
  • Trauma, 
  • Anpassungsdruck, 
  • neurodivergente Erfahrungen, 
  • Leistungsorientierung, 
  • oder frühe emotionale Unsicherheit. 

Dann kann der Kontakt zum eigenen Körper eingeschränkt sein:

  • Bedürfnisse werden spät bemerkt, 
  • Gefühle wirken diffus, 
  • Grenzen werden übergangen, 
  • oder der Körper fühlt sich eher „gegen einen“ als unterstützend an. 

 

Interozeption ist wieder erlernbar

Die Fähigkeit zur Körperwahrnehmung kann sich entwickeln und verändern.
Besonders körperorientierte und nervensysteminformierte Ansätze unterstützen dabei, den Kontakt zum eigenen Körper wieder behutsam aufzubauen.

Dabei geht es nicht darum, den Körper permanent zu beobachten oder „perfekt achtsam“ zu sein. Vielmehr entsteht Schritt für Schritt:

  • mehr innere Sicherheit, 
  • mehr Selbstkontakt, 
  • und ein freundlicherer Zugang zu den eigenen Empfindungen und Bedürfnissen.

 

Interozeption in meiner therapeutischen Arbeit

In der ganzheitlichen, körperorientierten Psychotherapie, Traumatherapie, Somatic Experiencing®, Gestalttherapie oder polyvagal-informierter Arbeit spielt Interozeption eine zentrale Rolle.

Viele Menschen erleben, dass sich durch einen behutsamen Kontakt zum eigenen Körper mehr innere Stabilität, Selbstkontakt und Regulation entwickeln können.

 

Fragebogen zur Interozeption

Der MAIA-Fragebogen (Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness) ist ein wissenschaftlich entwickelter Fragebogen zur Selbstreflexion über Körperwahrnehmung und Interozeption. Er wurde von Wolf E. Mehling und Kollegen entwickelt und erfasst verschiedene Aspekte der interozeptiven Wahrnehmung – also der Fähigkeit, innere Körperzustände wahrzunehmen und einzuordnen.

Der Fragebogen ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik, kann aber interessante Hinweise darauf geben,

  • wie gut Körperempfindungen wahrgenommen werden,
  • wie leicht Zugang zu inneren Zuständen möglich ist,
  • und wie sicher oder unterstützend der eigene Körper erlebt wird.

Hier finden Sie eine frei zugängliche Online-Version des MAIA-2-Fragebogens auf englisch.

https://just-digital.github.io/maia-2/   (Link führt zu einer externen Webseite)

 

Quellen:
Mehling WE et al. (2012). The Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness (MAIA). PLoS ONE.
Mehling WE et al. (2018). The Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness, Version 2 (MAIA-2).PLoS ONE.
Offizielle Projektseite der University of California San Francisco (UCSF): MAIA Project Page

 Bildquelle: lizensfrei von pixabay; Fotograf*In: Coboconghuu

 

 

bild von einem bergsee an dem nora sonnenberg sitzt.

Unser Nervensystem verstehen – und wie es sich im Körper zeigt

Die Polyvagaltheorie in der Praxis

Vielleicht hast du schon erlebt, dass dein Körper plötzlich ganz anders reagiert, obwohl „eigentlich“ alles in Ordnung ist. Du fühlst dich wie…

ADHS Heilimpulse

ADHS im Erwachsenenalter – wenn der Alltag zur Dauerherausforderung wird

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist längst keine reine Kindheitsdiagnose mehr. Viele Frauen erfahren erst im Erwachsenenalter, dass die…

vollmond

Wie Sexualhormone unsere Psyche beeinflussen

Vielleicht kennst du das: An manchen Tagen fühlst du dich lebendig, kraftvoll, verbunden mit dir selbst – und dann wieder gibt es diese anderen Tage. Tage, an denen du dich wie eine Fremde in deinem…

bild mit obst

Die stille Rolle der Mikronährstoffe

Fühlst du dich oft erschöpft oder niedergeschlagen? Deine psychische Gesundheit könnte von Nährstoffmängeln beeinflusst werden!

Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren, Spurenelemente – sie wirken leise, aber…

wut

Über die Wut von Frauen

"Ein braves Mädchen ist nicht wütend"

Frauen wurden über Jahrhunderte hinweg so sozialisiert, dass sie ihre Wut nicht frei ausdrücken durften. Vielen wurde von klein auf anerzogen: Ein gutes Mädchen ist nicht wütend. Ein…